Wie ein Mythos entsteht

Werner A. Perger | Politik | aus FALTER 39/07 vom 26.09.2007

Deutschland Angela Merkel wildert auf sozialdemokratischem Terrain - und verdeckt so die Schwäche ihrer Partei.

Würde man die europäischen Bürger fragen, welcher ausländische Regierungschef ihnen am liebsten ist, wen von den mehr als zwanzig repräsentablen Gestalten sie sich anstatt des eigenen am ehesten vorstellen könnten, Angela Merkel stünde dann für viele auf Platz eins. Wo man auch hinhört, überall vernimmt man dieselbe Legende: Sie macht ihren Job sehr gut, sagt offen ihre Meinung, in Amerika genauso wie in Warschau oder Peking, vertritt einen modernen Pragmatismus und vermeidet alles, was man in Europa an den deutschen Kanzlern nach Willy Brandt so wenig leiden konnte: das besserwissende Belehren, das bräsige Auftrumpfen, zuletzt die nassforsche Sprunghaftigkeit. "La Merkel" - ein Mythos entsteht.

Die ostdeutsche Physikerin ist heute die deutsche Sympathieträgerin schlechthin. Mit ihrer manchmal zu dick aufgetragenen, scheinbar mädchenhaften Bescheidenheit wirkt die

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