Alles relativ?

Politik | Robert Misik | aus FALTER 39/07 vom 26.09.2007

ESSAY Braucht eine moderne Gesellschaft moralische Normen? Ein Leitfaden für Wertedebattierer.

Wenn Konservative öffentlich von "Werten" reden, dann kennt man sich oft nicht aus. Schrecklich sei der Werteverlust, stellen sie fest. Und dann wird gefordert, "sie" sollen sich gefälligst zu "unseren" Werten bekennen. Ausgerechnet am Tag nach dem Aufmarsch aufgebrachter Anwohner - darunter auch der rechte Mob - vor einem türkischen Kulturzentrum in der Brigittenau. Was wäre denn passiert, wenn sich die Muslime an die Spielregeln der FPÖ- und ÖVP-Brigittenau hielten, vor Kirchen aufmarschierten und "Anzünden! Anzünden!" schreien?

Wir sehen also, da muss mehr Systematik rein. Wie ist das genau mit den Werten? Braucht der säkulare, weltanschaulich neutrale Staat "Werte", um zu funktionieren? Und was hat das mit den Religionen zu tun? Dass es einen Verfall der Werte gibt, wird beklagt, seitdem sich Werte ändern. Dass Frauen gleichberechtigt im öffentlichen Leben agieren, wurde vor nicht


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