Kritik kurz

Kultur | aus FALTER 39/07 vom 26.09.2007

Romeo und Julia Nach der ersten Burgtheaterpremiere der Saison waren sich Publikum und Kritik ausnahmsweise einmal einig. Die Zuschauer buhten, die Kritiker griffen zum Vorschlaghammer. Einen "stinkfaden Totalschaden" sah der Kurier, eine "schmerzliche Niederlage" der Standard, den "bisherigen Tiefpunkt des Shakespeare-Zyklus" die Presse. Die Reaktionen sind maßlos übertrieben. Sebastian Hartmann, der aus der DDR stammt und mit dem künftigen Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann auch sonst nichts zu tun hat, galt zu Beginn seiner Karriere als Epigone des großen Regiedekonstruktivisten Frank Castorf. Diesmal aber schlägt er zunächst ganz andere Saiten an. Die Inszenierung beginnt mit einem Bild, wie man es im zeitgenössischen Theater praktisch nicht mehr zu sehen bekommt: eine malerische Landschaft mit echtem Gebüsch und Lagerfeuer, Männer in historischen Kostümen kreuzen die Säbel, zart klagende Musik verstärkt die Stimmung. Hartmann lässt keinen Effekt aus, er schwelgt im

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