Stadtleben

Stadtleben | aus FALTER 39/07 vom 26.09.2007

Sex

Libidogau E. wachte eines Morgens auf und war sexsüchtig. Sie fand sich in der Firmenküche den schiachen Controller pudern. Der Wurstmann beim Spar, ja, der mit dem vielen Bauch, musste auch herhalten. Ihre Welt veränderte sich von einem Tag auf den anderen. Sie nahm sich, was auch immer auf drei nicht am nächsten Baum war. Um auf die notwendige Frequenz zu kommen, verstärkte sie ihre Binzuhaben-Aura. Die Absätze wuchsen von Quadratlatschenlevel auf Superpumps, in der gleichen Relation verkürzten sich die Röcke. Sie kam spät ins Büro, ging dafür früher. "Die größte Schwierigkeit ist, die Geilheit im Alltag unterzubringen", sagte sie. Wenn es stimme, dass Männer immer auf dem Level ticken, würde es sie wundern, dass Begebenheiten wie eine U-Bahn-Fahrt mit lauter Fremden nicht tagtäglich in gewaltige Orgien münden. Um ihre Seele zu retten, suchte sie einen Psychiater auf. Ja, er ist auch gefallen. Aber nun wildert sie psychologisch betreut und zu geregelten Ordinationszeiten.

Heidi List

Fussball

Mourinho Die Entlassung von Chelsea-Trainer José Mourinho hinterlässt nicht nur in der Mannschaft gemischte Gefühle. Die sagenhafte Arroganz des Portugiesen ist imponierend, auch seine tadellose Garderobe spricht für ihn, und ohne Zweifel ist der Mann ein Meister seines Fachs. Andererseits hat der FC Chelsea unter Mourinho ungefähr so mitreißenden Fußball geboten wie Red Bull Salzburg unter Trapattoni. Und wer so radikalen Ergebnisfußball predigt, wird dann halt auch radikal an den Ergebnissen gemessen. Diese ließen zumindest international zu wünschen übrig: In der Champions League schaffte es Chelsea bisher nicht ins Finale. Mourinho ist ein Trainer, der sich für klüger hält als der Fußball. No way, José: Sein Fall ist die gerechte Strafe für zu viel Hochmut. Sofern man bei rund dreißig Millionen Euro Abfertigung von Strafe sprechen kann.

Wolfgang Kralicek


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