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Kultur | Hermann Götz | aus FALTER 39/07 vom 26.09.2007

Der Hinweis im Programmbuch macht stutzig: Shakespeare, wird betont, schrieb "Wie es Euch gefällt" für eine Bühne, auf der alle Rollen von Männern gespielt werden mussten. Natürlich: Verwechslung und Unschärfe zwischen den Geschlechtern sind virulente Themen in Shakespeares Komödien, das hat mit der genannten Praxis des elisabethanischen Theaters zu tun, geht aber auch tiefer. Anna Badora nimmt's bei ihrer selbst inszenierten Eröffnungspremiere am Schauspielhaus (bis 25.11.) zum Anlass für eine Besetzungsliste, auf der nicht nur zahlreiche Frauenrollen von männlichen Darstellern getragen werden, sondern auch umgekehrt. Das ist sehr komisch, drückt den teils feinen Shakespeare-Witz aber oft genug an die Wand. Unterstützt wurde Badora vom jungen Grazer Autor Christian Winkler, der unlängst den Retzhofer Literaturpreis erhielt (siehe Falter 19/07). "Wie es Euch gefällt" wurde von Winkler um ein sehr heutiges Liebespaar (Erik Göller als greiser Audrey, Susanne Weber als polnische (?) Pflegerin mit Heiratsambitionen) ergänzt, außerdem hat er der Rolle des Zweiflers De Boys (Martina Stilp als Johnny Depp-Lookalike) ein Redesign verpasst. Während das neue Paar ebenso amüsant wie klischeehaft ausfällt, ist für Stilp eine interessante Rolle zwischen Misanthrop und Narr entstanden, die ein schönes Schlusswort spricht. Vielleicht braucht es noch ein paar Vorstellungen, bis Stilp zu gewohnt starker Form aufläuft. Inzwischen baut das Ensemble auf die beiden anderen Säulen des Stücks: Max Mayer als Orlando und Jan Thümer als seine Liebe Rosalind.


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