hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 39/07 vom 26.09.2007

Liebeskiller Straßenbahn!

In der Statistik der Orte, an denen vorzugsweise Beziehungen oder ewig anhaltende Lebenspartnerschaften entstehen, kommt die Straßenbahn aus gutem Grund überhaupt nicht vor. Die Menschen wissen das und verhalten sich entsprechend danach, womit der depressiv hoffnungslose Charakter dieses Ortes weiter verstärkt wird, eine Teufelskreis, der sich nur schwer durchbrechen lässt. In der Statistik der Gründe, warum Menschen Sex haben, kommt Angst vor dem Alleine-zuhause-Sein immerhin auf Rang 13, noch weit vor dem Wunsch, andere mit tödlichen Krankheiten anzustecken. In der Straßenbahn ist es also statistisch sicher leichter möglich, schnellen Sex zu erhalten als dauerhaftes Glück. Am Arbeitsplatz ist statistisch gesehen beides durchaus möglich. Schwierig zu errechnen sind Konstellationen, in denen einer der beiden professionell, der andere freizeitmäßig unterwegs ist: Kellner und Gast, Verkäufer und Kunde, Prostituierte und Freier, Kontrolleurinnen und Schwarzfahrer. Hierbei ist vor allem zu beachten, wer den ersten Schritt macht und wohin. Allgemein muss man sagen, dass es in Graz kaum geeignete Orte gibt, um Sex im Freien zu haben, wobei das Herz-Jesu-Viertel noch am ehesten geeignet ist. Fernsehen allerdings gilt als Liebeskiller Nr. 3, und das Fernsehprogramm in den Straßenbahnen ist ja auch nicht schlecht und außerdem ohne DVBT-Box betrachtbar.


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