Standpunkt

Der Bioschmäh

Politik | aus FALTER 40/07 vom 03.10.2007

Ein bisserl Biosprit beimengen, ist das schon ernsthafte Klimapolitik? Aber sicher, meint die rot-schwarze Bundesregierung. Seit 1. Oktober muss Benzin einen Anteil von 4,4 Prozent Ethanol haben. Was Umweltminister Josef Pröll (ÖVP) stets als Klimaschutzmaßnahme anpreist, ist jedenfalls kein Meilenstein. Denn die Biokraftstoffe sind an sich sehr umstritten. Ethanol wird zum Beispiel durch Zuführung herkömmlicher Heizenergie aus Getreide destilliert. Einfach ausgedrückt: Oben gießen wir Heizöl hinein, und unten rinnt Bioethanol heraus. Sehr umweltschonend ist das nicht. Zwar macht es grundsätzlich Sinn, dass sich Österreich und die EU von den fossilen Brennstoffen wegbewegen wollen. Um den Ausstoß an Treibhausgasen erheblich zu reduzieren, reicht aber keine Beimischung im Prozentbereich. Der Verkehr muss gebändigt werden. Dafür gehört Autofahren ordentlich verteuert. Wenn Österreich die Kraftstoffpreise um etwa 20 Cent pro Liter auf deutsches Niveau anhebt, hat es mit einem Schlag den Tanktourismus verloren. Und vielleicht überlegt man sich dann jede Fahrt zur Trafik. So ein Umdenken wird aber seine Zeit brauchen. Denn die Autofahrerclubs warnen bereits bei der Beimengung von 4,4 Prozent Ethanol lauthals vor einer Verteuerung des Benzins. Und welcher Politiker will sich schon mit denen anlegen? I. B.

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FALTER 03/19

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