Eliteforschung

Neues von ganz oben

Politik | aus FALTER 40/07 vom 03.10.2007

Wer für die Leistungsgesellschaft, Studiengebühren oder Eliteunis argumentiert, dem entgegnet Michael Hartmann gerne mit ernüchternden Zahlen. Der Soziologe an der Universität Darmstadt beackert ein hierzulande vernachlässigtes Feld: die Eliteforschung. 2002 veröffentlichte er sein Buch "Der Mythos von den Leistungseliten". Hierfür hatte Hartmann die Lebensläufe von 6500 promovierten Juristen, Ingenieuren und Wirtschaftswissenschaftlern analysiert. Grundsätzlich könnte man davon ausgehen, dass sie als Hochschulabsolventen mit Doktortitel alle erstklassige Karrieremöglichkeiten haben sollten. Tatsächlich spielte aber die Herkunft eine entscheidende Rolle: Die Chancen, in die Führungsetage eines der 400 größten deutschen Konzerne zu gelangen, ist für Promovierte aus dem Großbürgertum zweieinhalbmal so hoch wie für Promovierte aus der Mittelschicht oder Arbeiterklasse.

In seinem neuen Buch "Eliten und Macht in Europa" vergleicht Hartmann nun die Durchlässigkeit der politischen und wirtschaftlichen Elite in unterschiedlichen Ländern - dabei streift er auch Österreich. Hierzulande finden sich besonders viele Arbeiterkinder in der Politik. Der Zugang zur heimischen Spitzenwirtschaft verläuft hingegen auch elitär. Und genau diese Exklusivität führe zu sozialen Ungleichheiten, argumentiert Hartmann in seinem Buch, das er am Mittwoch an der Universität Wien präsentiert.

Vortrag am Mittwoch, 3. Oktober, 18.30 Uhr, Kleiner Festsaal, Uni Wien, 1., Dr.-Karl-Lueger-Ring. Infos unter www.renner-institut.at


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