Kommentar

In der Vorhölle der Literaturkritik

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 40/07 vom 03.10.2007

Man muss die Buchsaison ja nicht gleich zum "Jahrhundertherbst" hochjazzen, um zu registrieren, dass sich zurzeit ordentlich was tut in der österreichischen Literatur. Die Aufmerksamkeit ist so groß wie schon lange nicht mehr. Darüber könnte man sich eigentlich freuen - ohne gleich Gefahr zu laufen, als popeliger Provinzler, sinistrer Nationalist oder Medienhysteriker abgestempelt zu werden. In Kroatien, Kanada oder Kamerun würde man das tun. Nicht so hierzulande. Seit Wochen glost ein mit Ressentiments und Ranküne befeuerter Schwelbrand der Selbstbezichtigung vor sich hin, der mentalitätsgeschichtlich wohl nur aus einem prekären Mix von nationalem Minderwertigkeitskomplex und katholischer Schuldlust zu erklären ist.

Begonnen hat es mit einem Sturm im Wasserglas der ORF-Bestenlisten-Jury, die im September unter die Top Ten acht Bücher von Österreichern nominierte. Das ist mit den Mechanismen des Literaturbetriebs und der medialen Aufmerksamkeitsökonomie relativ leicht zu erklären


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