Kein Mitleid

Kultur | Joachim Schätz | aus FALTER 40/07 vom 03.10.2007

FILM Das Unsichtbare unübersehbar machen: Mit dem semidokumentarischen Film "Kurz davor ist es passiert" nähert sich Anja Salomonowitz dem Thema Frauenhandel auf unkonventionelle Weise.

Mein Freund ist plötzlich weg." Mit Heiratsversprechungen über die Grenze nach Österreich gelockt, findet sich eine junge Frau in einem Bordell wieder. Unter Androhung körperlicher Gewalt wird sie zur Prostitution gezwungen. "Ich trenne mich innerlich von dem, was ich gerade mache", heißt es in dem Erlebnisprotokoll einer Verkauften. Zugleich beschreibt dieser Satz aber auch seltsam treffend das ästhetische Unterfangen des Films, aus dem er stammt: Kein weinendes Opfer mit Augenbalken und nachbearbeiteter Stimme spricht den Ich-Bericht in die Kamera, sondern ein uniformierter österreichischer Zollbeamter mit monotoner, ein wenig unbeholfen nachfühlender Stimme.

Dem üblichen Impetus engagierter dokumentarischer Filmproduktion, Unsichtbares und Verdrängtes sichtbar zu machen, hält die Wiener Filmemacherin


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