Nichts zu glotzen

Kultur | Konrad Paul Liessmann | aus FALTER 40/07 vom 03.10.2007

GEISTESGESCHICHTE Rüdiger Safranski hat dem Begriff der "Romantik" eine kurzweilige Monografie gewidmet, in der er eine "deutsche Affäre" aufrollt - von Hoffmann bis Hitler.

Das waren noch Zeiten, als Bertolt Brecht einer seiner Theaterfiguren ein gehässiges "Glotzt nicht so romantisch" in den Mund legen konnte. Romantik: Das war einmal ein Synonym für verlogene Gefühle und falsches Sentiment, für vorgetäuschte Versöhnungen und ideologische Verklärungen, für kleinbürgerliche Sehnsüchte und reaktionäre Butzenscheibenidylle, für zerstörte Vernunft. Und auch wer es genauer wusste, war nicht glücklich damit. Blaue Blume, "Aus dem Leben eines Taugenichts", germanische Mythen und Richard Wagners Waldvögelein: Wer etwas auf sich hielt, hielt sich in der Regel von so etwas fern. Natürlich kann man ein Abendessen im Kerzenschein, Sonnenuntergänge am Meer, Schneefall im Hochgebirge und die eine oder andere verliebte Stunde mit angemessener Ironie romantisch nennen, aber sonst ist


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