Buch der Stunde

Lebenslange Liebe

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 40/07 vom 03.10.2007

Kaum etwas ist Pubertierenden peinlicher als die Vorstellung, dass die eigenen Eltern (noch) Sex haben. Und auch später noch stellt man sich vor, dass dieses ganze Begehren im Alter einem wollsockenwarmen Gefühl gereifter Kameraderie weicht. Vielleicht ist es aber auch ganz anders. "Bald wirst du jetzt zweiundachzig sein. Du bist um sechs Zentimeter kleiner geworden, du wiegst nur noch fünfundvierzig Kilo, und immer noch bist du schön, graziös und begehrenswert. Seit achtundfünfzig Jahren leben wir nun zusammen, und ich liebe dich mehr denn je."

In den Achtzigerjahren war der Sozialphilosoph André Gorz mit Büchern wie "Abschied vom Proletariat" oder "Wege ins Paradies" ein wichtiger Stichwortgeber der undogmatischen Linken gewesen. In dem im Frühjahr des vergangenen Jahres verfassten "Brief an D." wandte er sich an seine Frau Dorine, die er - der mittellose Jude aus Österreich - 1947 kennen lernt und die zu seiner eigenen Verwunderung seine Frau wird.

Dennoch entwickelt sich diese

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