Stadtrand

Buchengeräuchert

Stadtleben | aus FALTER 40/07 vom 03.10.2007

Früher, wenn es anfing zu herbsteln und die Abende kühler wurden, früher konnte man den nahen Winter riechen. Die Stadt roch nach Kohleöfen. In manchen, meist ärmeren Gegenden war der Geruch ganz besonders stark. "Hausbrand", sagten die Auskenner und meinten damit weder abgebrannte Häuser noch hausgemachten Zwetschkenschnaps. Und den Kaffee aus Triest meinten sie erst recht nicht (der schreibt sich ohnehin mit t, "Hausbrandt" meckern jetzt die Besserwisser). Die Leute heizten einfach ein, hatten sich rechtzeitig vom Brennstoffhändler Kohlen kommen lassen. Man machte es sich nicht gemütlich, man wollte einfach nicht frieren. Mittlerweile hat man selbst in ärmeren Gegenden Gasetagenheizung oder wärmt aus der Ferne. Jetzt riecht es nämlich wieder nach nahem Winter, aber eleganter. Spaziert man durch Wien-Neubau oder durchs Karmeliterviertel, riecht es rauchig - nicht nach Kohleofen, sondern nach Buchenholzkamin. Hausbrand war damals, heute wollen wir's gemütlich. An offenen Kaminen in schicken Dachausbauten. In diesem Sinne: Lasst uns uns räuchern, als wären wir Schinken! C. W.


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