Die Macht der Konsumenten

Herwig G. Höller | Politik | aus FALTER 40/07 vom 03.10.2007

WIRTSCHAFT Besteht Hoffnung für den Kapitalismus? Der deutsche Kulturwissenschafter Nico Stehr sieht keinen Widerspruch zwischen Moral und Profit.

In den Achtzigerjahren hat Nico Stehr (65) den nachhaltig wirkungsmächtigen Begriff der "Wissensgesellschaft" mitgeprägt. Er bezeichnet eine Gesellschaft, in der Wissen und Bildung zur zentralen treibenden Kraft werden. Auch mit seinem jüngsten Werk sorgt der deutsche Kulturwissenschafter für Diskussionen: Mit "Die Moralisierung der Märkte" legt er eine Gesellschaftstheorie vor, die positive Entwicklungspotenziale des Kapitalismus betont. Im Rahmen von "Un/Fair Trade" präsentiert Stehr diese Woche seine Thesen in der Grazer Neuen Galerie. Der Falter hat vorweg mit ihm telefoniert.

Falter: Lange Zeit haben vor allem linke Intellektuelle den Markt als etwas Böses angeprangert. In Ihrem aktuellen Buch postulieren Sie nun etwas anderes. Wird der Markt nun wirklich gut?

Nico Stehr: Die Einstellung, dass Armut diszipliniert und Wohlstand korrumpiert,

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