Reisebegleiter ins Dunkle

Heureka | aus FALTER 41/07 vom 10.10.2007

Angehörige von Alzheimer- und anderen Demenzkranken müssen zusehen, wie ein geliebter Mensch langsam Gedächtnis und Verstand verliert, bis er vollkommen hilflos ist. Sie machen vielleicht die schmerzhafte Erfahrung, dass der Ehepartner sie wegschicken will, weil er sie für eine wildfremde Person hält. Oder dass Vater oder Mutter von Hilfe abhängig werden wie ein kleines Kind.

Zur psychischen Belastung kommt eine enorme körperliche Anforderung. Manche Alzheimerpatienten stehen nachts auf - starker Bewegungsdrang ist typisch für die Krankheit. Im fortgeschrittenen Stadium müssen sie rund um die Uhr betreut werden.

Über achtzig Prozent der Alzheimerkranken werden zuhause gepflegt. Antonia Croy kennt die Sorgen und Nöte der Angehörigen: "Viele gehen dabei bis an ihre Grenzen und darüber", erzählt die Vorsitzende von "Alzheimer Angehörige Austria". Depressionen und Burnouts bei pflegenden Angehörigen seien häufig. Die Wiener Selbsthilfegruppe wurde 1990 gegründet, inzwischen gibt es in allen Bundesländern ähnliche Vereine. "Die Angehörigen bekommen bei uns Beratung in rechtlichen und finanziellen Fragen sowie Informationen über die Krankheit und den Umgang mit dieser", erklärt Croy.

Schon manch einfacher Tipp könne das Zusammenleben etwas vereinfachen: Schilder an den Türen und ausreichend Beleuchtung - auch nachts - erleichtern es dem Kranken, in der Wohnung zurechtzukommen. Wichtige Dokumente vorab zu kopieren erspart Schwierigkeiten, wenn diese unauffindbar verlegt werden. Wichtig sei es zu begreifen, dass man bei Alzheimer mit logischen Erklärungen nicht weiterkommt, sagt Croy. Der Betroffene wird sich nicht überreden lassen, einen Mantel anzuziehen, weil es kalt ist. Allein zu verstehen, dass es sich dabei um ein Symptom der Krankheit und nicht um Sturheit handelt, mache solche mühsamen Auseinandersetzungen für die Pflegenden ein bisschen leichter. S.A.


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