"Schrumpfen erwünscht"

Heureka | aus FALTER 41/07 vom 10.10.2007

Politik und Pensionskassen haben die Bevölkerungs- und Altersentwicklung völlig falsch eingeschätzt, nicht nur hierzulande. Ein Gespräch mit dem international angesehenen und tätigen Demografen Wolfgang Lutz. Interview: Stefan Löffler

heureka!: In Europa, Nordamerika und Ostasien altert die Bevölkerung. Ist das eigentlich ein historisch neues Phänomen?

Wolfgang Lutz: Insofern ja, als die Bevölkerung noch nie so schnell gealtert ist. Die Geburtenraten waren in Mitteleuropa aber schon vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zur Weltwirtschaftskrise so niedrig wie heute. Damals wurde viel spekuliert, ob es eine Folge der schlechten Wirtschaftslage war oder ein permanenter Zustand wird. Die ersten Befürchtungen einer Bevölkerungsschrumpfung standen damals unter nationalistischen Zeichen. Die Franzosen machten sich Sorgen, dass sie weniger Soldaten haben werden als die Deutschen. Das war am Ende des sogenannten demografischen Übergangs, der in allen Ländern der Welt früher oder später


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