Angriff auf alte Arbeiter

Heureka | aus FALTER 41/07 vom 10.10.2007

Alle über Vierzigjährigen sind "vergleichsweise nutzlos", alle über Sechzigjährigen "vollständig entbehrbar", befand der kanadische Mediziner William Osler und regte einen "friedlichen Abgang durch Chloroform" an. Osler war kein durchgeknallter Dr. Mabuse, sondern einer der weltweit renommiertesten Mediziner um 1900. In der Hochzeit der Eugenik wurden auch Euthanasiekonzepte ganz ungezwungen diskutiert. Diese richteten sich nicht nur gegen Behinderte und "Andersrassige", sondern auch ganz vehement gegen Alte.

Oslers Aussagen stehen beispielhaft dafür, dass die Verdrängung älterer Menschen aus dem Arbeitsmarkt kein Phänomen der jüngeren Gegenwart ist. Wir klagen über zu viele Frühpensionierungen und kaum mehr zu vermittelnde fünfzigjährige Arbeitssuchende. Der Trend der Altersdiskriminierung lässt sich aber mindestens bis ins späte 19. Jahrhundert zurückverfolgen. Der Druck auf Ältere sei damals sogar ungleich höher und brutaler gewesen als heute, sagt der Wiener Sozialhistoriker


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