Uniform & Gericht

Was wurde aus ...?

Politik | aus FALTER 41/07 vom 10.10.2007

Nicht nur im Fall Bakary J., auch in vielen anderen Fällen wurden Polizisten vor Gericht erstaunlich milde behandelt:

Marcus Omofuma Der 25-jährige Asylwerber stirbt am 1. Mai 1999 bei seinem Abschiebeflug nach Nigeria, nachdem ihn drei begleitende Fremdenpolizisten gefesselt und geknebelt hatten. Die Beamten werden zu jeweils acht Monaten bedingter Haft verurteilt und versehen weiter Dienst.

Imre B. Der 35-Jährige wird am 20. Mai 2000 von Polizisten für einen Drogendealer gehalten, weil er im Auto sitzend vor einem Lokal wartet. Er wird erschossen. Der Kriminalbeamte wird vor Gericht freigesprochen. Begründung: Der Schuss habe sich versehentlich gelöst.

Binali Ilter Am 31. August 2002 erschießen Polizisten den Kurden Binali Ilter. Der 28-Jährige leidet unter schizophrenen Schüben und fuchtelt an einem Platz im 1. Bezirk mit einer Perrier-Mineralwasserflasche herum. Die Polizisten sagen aus, Ilter habe den Eindruck erweckt, "dass er immer aggressiver wird". Zeugen widersprechen: Ilter habe lediglich "sehr verwirrt" gewirkt. Die Polizisten werden freigesprochen, sie hätten "in Notwehr" gehandelt.

Cheibani Wague Als der 33-jährige Mauretanier am 15. Juli 2003 im Wiener Stadtpark versucht, vor der Polizei zu fliehen, wird er von sechs Polizeibeamten und drei Sanitätern minutenlang mit gefesselten Händen in Bauchlage fixiert. Ein Sanitäter steht auf dem am Boden liegenden, ein weiterer Polizist kniet auf ihm. Wague erstickt vor den Augen der Polizisten und der Rettungsleute. Der anwesende Notarzt schreitet nicht ein. Vor Gericht wird jener Polizist, der am festesten zudrückte, ebenso wie der Notarzt zu sieben Monaten auf Bewährung verurteilt. Die übrigen Polizisten werden freigesprochen. Alle versehen weiter Dienst.


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