Der Echonaut

Kultur | Erich Klein | aus FALTER 41/07 vom 10.10.2007

WALTER KEMPOWSKI (1929-2007) Für das, was dröge "Vergangenheitsbewältigung" heißt, hat Kempowski mehr geleistet als die meisten seiner Zeitgenossen.

Das Debüt des 1929 in Rostock geborenen Walter Kempowski war ein Fehlschlag: Das Kriegsende überlebte er in Berlin als HJ-Soldat, 1948 wurde er vom sowjetischen NKWD wegen Spionage für die Amerikaner verhaftet und zu 25 Jahren Haft verurteilt. "Im Block", ein trocken-kafkaesker Bericht über die Hafterlebnisse im kommunistischen Deutschland, passte nicht ins Jahr 1969. Deutsche Literatur war nach den Erfolgen der Trümmerliteratur gerade dabei, sich zu Tode zu engagieren oder - im besseren Fall - zu experimentieren.

Die Poetik der drei Dutzend Romane und Hörspiele des liberal-konservativen Schullehrers Kempowski aber zielte bloß auf Literatur ab. Mit der 1971 fertiggestellten und 1975 für das Fernsehen verfilmten Familiengeschichte "Tadellöser & Wolff" gelang ihm der Durchbruch: Während der großbürgerliche Familienvater bis zuletzt


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