Hinter dicken Mauern

Kultur | Tobias Heyl | aus FALTER 41/07 vom 10.10.2007

MARIANNE FRITZ (1948-2007) Mit ihrem Festungszyklus hat die zurückgezogen lebende Autorin ein erratisches, kühnes, aber auch sehr ungelesenes Werk hinterlassen.

Neunzehnhunderachtundsiebzig, die Literatur war in jenen Jahren eine ziemlich politische Angelegenheit, debütierte Marianne Fritz mit einem schmalen Roman. "Die Schwerkraft der Verhältnisse" erzählt die Geschichte einer Kindsmörderin, die nach einem gescheiterten Selbstmordversuch in der Psychiatrie vor sich hindämmert. Eine Kleinbürgergeschichte, eine Frauengeschichte, eine Geschichte darüber, wie die Verhältnisse die Menschen zum Verstummen bringen, und, nicht zu vergessen, eine Geschichte, die mit dem Robert-Walser-Preis ausgezeichnet wurde, vielleicht, weil sie sich durch eine ganz eigenwillige Poesie dann doch von der engagierten Literatur jener Jahre unterscheidet. Die Hauptfigur etwa heißt Berta Schrei, der Schauplatz Donaublau. Und überhaupt changiert der Text ständig zwischen der historischen Wirklichkeit der


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