Kotzen wie die Katzen

Extra | Alexandra Millner | aus FALTER 41/07 vom 10.10.2007

SUCHT Mit "Stierhunger" legt Linda Stift einen Roman vor, der sich auf kunstvolle und mitunter sogar komische Weise mit dem um sich greifenden Phänomen der Bulimie auseinandersetzt.

Die Katastrophe nimmt mit einer harmlosen Einladung zur Kaffeejause ihren Lauf. Die junge Ich-Erzählerin wird auf der Straße von einer ältlichen Dame eingeladen, mit ihr einen Gugelhupf zu teilen: "Das erste Kuchenstück hatte ich nach anfänglichem Zögern mit einigem Genuss gegessen, das zweite hatte Frau Hohenembs mir gegen meinen Willen aufgedrängt, das dritte nahm ich mir unaufgefordert selbst, weil es ohnehin schon egal war." Die andere Kuchenhälfte verschlingt sie im Stehen in ihrer Wohnung - und würgt kurze Zeit später wieder alles heraus. Es ist ihre erste Süßspeise seit zwei und ihr erster Brechanfall seit 15 Jahren: Die besiegt geglaubte Fress-Brech-Sucht hat sie wieder.

Die 1969 im südsteirischen Wagna geborene Linda Stift widmet sich nach ihrem erfolgreichen Debütroman "Kingpeng" (2005)


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