Eine duldsame Frau

Extra | Jörg Magenau | aus FALTER 41/07 vom 10.10.2007

FAMILIENGESCHICHTE Julia Francks Roman "Die Mittagsfrau" erzählt sich quer durch das 20. Jahrhundert, ohne den Erlebnissen aus zweiter Hand einen neuen Blick auf die Geschichte abzugewinnen.

Die Szene prägt sich ein: Ein kleiner Junge sitzt im Bahnhof auf einer Bank, den Koffer auf dem Schoß. Um ihn herum das aufgeregte Durcheinander einer pulsierenden Menschenmenge. Viele Stunden sitzt er so, die ganze Nacht über bis zum nächsten Morgen. Er wartet auf seine Mutter, die nur noch rasch Fahrkarten kaufen wollte. Sie kommt nicht mehr zurück. Im Koffer hat sie einen Zettel mit der Anschrift eines Onkels versteckt. Dorthin soll man den Jungen bringen.

Die Szene bildet den Prolog zu Julia Francks neuem Roman "Die Mittagsfrau". Es ist bereits das sechste Buch der 1970 in Ost-Berlin geborenen Autorin, die längst zu den etablierten Schriftstellerinnen Deutschlands gehört. Der Auftakt ist autobiografisch, oder doch wenigstens Teil der Familiengeschichte. Julia Francks Vater wurde 1945 als kleiner


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