Auch Jesus war kein Pazifist

Extra | Sonja Herzog-Gutsch | aus FALTER 41/07 vom 10.10.2007

Pädagogik Raus aus der Teletubby-Kindheitsidylle! Thomas Hartmann fordert: "Schluss mit dem Gewalt-Tabu!"

Viele Pädagogen haben sich entschieden, das Problem jugendlicher Gewalt durch Tabuisierung aus der Welt zu schaffen. Aggression in jeder Form ist schlecht, also darf sie in keiner Form stattfinden, nicht mal im Spiel. Kein Gerangel, kein Bäh-bäh-bäh, keine Spielzeugrevolver! Lieber ignorieren, Streit unter Kindern nicht zulassen und als Schiedsrichter zur Verfügung stehen.

Doch Thomas Hartmann meint, dass Kinder nicht durch Ignoranz, sondern nur durch die bewusste Auseinandersetzung lernen, mit Gewalt umzugehen. Aggression und Gewalt seien Teil unseres täglichen Lebens, auch des Lebens unserer Kinder. Sie müssen herausfinden, welche Kräfte in ihnen schlummern, wie sie ihrer Wut begegnen und mit ihr umgehen können. Rangeln und Raufen, Wettkampf- und sogar PC-Spiele sind dafür ein adäquates Mittel, denn gefährlich ist nur, was man ignoriert und dann in einer Extremsituation unvermittelt hervorbrechen kann.

Thomas Hartmann begründet sachlich, gibt einen Abriss berühmt-berüchtigter Computerspiele und verrät, warum auch er sie manchmal gern spielt. Auch über die Bibel als Buch, in dem es bekanntlich auch brutal zur Sache geht, wird man informiert und erfährt, warum Jesus kein Pazifist im heutigen Sinne war. Hartmann ist Pfarrer und behandelt dieses wichtige Thema spannend und kontrovers, will keine nickenden, sondern denkende Köpfe. Gott sei Dank!

Thomas Hartmann: Schluss mit dem Gewalt-Tabu! Warum Kinder ballern und sich prügeln müssen. Eichborn, 256 S.,O 18,50


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