Offenes Geheimnis

Extra | Fritz Trümpi | aus FALTER 41/07 vom 10.10.2007

GESCHICHTE Hat die Bevölkerung nichts vom Holocaust gewusst? Und wie beschreibt man ihn? Zwei Fragen, zwei Neuerscheinungen.

Sie haben es gewusst. In akribischer Kleinarbeit hat Bernward Dörner den Wissensstand der deutschen - und implizit auch der österreichischen - Bevölkerung in den Dreißiger- und Vierzigerjahren über die Ermordung der europäischen Juden ermittelt. Entstanden ist ein fast 900-seitiger Wälzer, der belegt, "dass der Judenmord in Deutschland kein Geheimnis war", so Dörners Fazit.

Zwar räumt er ein, dass es den "Protagonisten des Genozids" zunächst gelungen sei, diesen eine Zeit lang geheim zu halten. Aber spätestens im Dezember 1942 hätten sich die Hinweise auf den Judenmord verdichtet, sodass sein Ausmaß ab diesem Zeitpunkt nach und nach bewusst und gewiss geworden sei. Briefe von Wehrmachts- und Polizeiangehörigen, von NS-Größen ausgesprochene Todesdrohungen gegen die Juden, Informationen aus verbotenen und inoffiziellen Quellen wie britischen oder sowjetischen


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