Neuerscheinung

Kultur | Wolfgang Kühnelt | aus FALTER 41/07 vom 10.10.2007

ANTHOLOGIE

Maruša Krese, Gerhild Steinbuch:

Ich, Stadtschreiberin. Schlossbergflash

Die slowenische Dichterin Maruša Krese war von September 2005 an ein Jahr lang Stadtschreiberin von Graz. Um ihre Neugier, die lokale Szene betreffend, zu stillen, veranstaltete sie in ihrem Domizil am Schloßberg eine Reihe von Treffen mit Menschen aus dem Kulturbereich. Das war eine schöne Idee, als Motiv für einen literarischen Sammelband - das wiederum war nicht Kreses Verlangen, sondern das der steirischen Kulturvermittlung, die auf dem Band bestand - erscheint sie doch etwas dürftig. Außenstehende können weder die Begeisterung für die Dichtertreffen am Berg teilen noch erhalten sie die geringsten Informationen über die Damen und Herren, deren Beiträge im Buch abgedruckt sind. Neben zahlreichen Belanglosigkeiten verbergen sich einige wenige Perlen wie "Alles zugedichtet" von Felicitas Ferder. Und dann wieder findet sich peinsam Provinzielles wie das Radiointerview von Reni Hofmüller. Im Bereich der Prosa ist es wohltuend, wenn vom konkreten - allzu oft bemühten - Anlass weggedriftet wird wie bei "Ich, Vogel" von Wolfgang Pollanz, der den Grazer Hausberg aus der Sicht seiner Mutter im Krieg beschreibt. Auch der hohe Lyrik-Anteil ist positiv hervorzuheben: Marcus Poettler, Stefan Schmitzer und Maruša Krese selbst sind hier zu nennen. In einem letztlich wohl vor allem für die "Betroffenen" selbst wertvollen Buch gibt es auch ein Highlight: "George W. mit Mikimaus-Ohren" von Saša Stanišic´ zeigt Witz statt Nabelschau. Auf knappen drei Seiten gelingt es ihm eindrucksvoll, ein Stimmungsbild der Stadt zu zeichnen.

Leykam 2007. 124 Seiten, inklusive 168 kleiner Fotos heimischer Kulturprominenz.


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