hundert jahre zeitausgleich

Kultur | Johannes Schrettle | aus FALTER 42/07 vom 17.10.2007

Einheitsbrei

Ehrenwert, dass sich nun auch die Kleine Zeitung des Images von Che Guevara angenommen hat. Mit scharfen Analysen und Kommentaren wurde aufgedeckt, dass der Revolutionär zur Ikone der Alternativkultur geworden ist und damit die höchste Stufe kapitalistischer Verwertbarkeit erreicht hat. War auch allerhöchste Zeit, dass das mal gesagt wird! Hoffentlich richten die Leser das ihren Guevara-Shirts tragenden Kindern aus. Die Kleine Zeitung richtet derweil einen Marathon aus, bei dem der Weltrekord für Blinde gebrochen wurde. Die Familie des Weltrekordlers kann sich nun laut der "ebenso wie viele viele Zuschauer" tief bewegten Zeitung eine neue Kuh kaufen. Wenn die Versorgungsstände geschlossen werden, kann man dann zuschauen, wie kistenweise Bananen, von den Läufern (auch von den nicht blinden) verschmäht, in die Restmülltonne wandern. Wer zufällig vorbeikommt, holt sich eine Wochenration ab und sitzt jetzt auf Hunderten Bananen, die er eh nicht essen will. Man kann nun entweder Bananenshake oder Bananenbrei machen. Brei aber hat (völlig zu Unrecht) ein schlechtes Image: Man denkt an "Einheitsbrei". Wahrscheinlich, weil Einheit im Kapitalismus etwas Böses ist, die Distinktion hingegen stets anzustreben, sonst könnte man nicht so viel von allem verkaufen. Nachdem Che gescheitert ist, wie wir jetzt wissen, wäre das vielleicht die Utopie (danke an Michi): Österreich isst Brei!


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