Steirerbrauch

Kultur | aus FALTER 42/07 vom 17.10.2007

FREUNDSCHAFT Dem Buben war, als ob das eine Leben aus war und das neue einfach nicht anfangen wollt. Die Nachbarkinder sind jetzt ohne ihn kicken gangen, die Großmutter hat ihre Zwetschgenknödel selber essen müssen, und Kastanienbäume hat´s im Garten vom Heim auch keine geben. Nur Kakao hat´s auch geben, obwohl der komisch gschmeckt hat. Und andere Buben hat´s geben. Aber Freunde waren das am Anfang nicht. Haben nicht gredet beim Essen, haben ihn gar nicht angschaut am Tag. Nur am Abend, beim Waschen. In der Kapellen haben ihn die harten Hände zwickt, die rauen Lippen haben ihm Sachen über´s Jesuskind ins Ohr gflüstert. Und im dunklen Schlafsaal haben die Augen die ganze Nacht gfunkelt. Hat nicht lange dauert, dass der heiße Blick auch in den Buben einzogen ist. Und das neue Leben doch noch angfangen hat.


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