"Neunzig Prozent lügen"

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 42/07 vom 17.10.2007

ABSCHIEBEDEBATTE Ein Mitarbeiter des Bundesasylamtes spricht - anonym - über den harten Alltag mit Asylwerbern und das Risiko, zynisch zu werden.

Vergangene Woche, als in den Medien wieder einmal alle im Namen Arigona Zogajs auf die Asylbehörden hinhackten, platzte ihm der Kragen. Hans M. (Name geändert) beklagt sich über die einseitige Berichterstattung der Medien. Man habe vom Alltag in den Asylämtern keine Ahnung. M. ist ein "kleiner Referent" eines Bundesasylamtes, wie er sagt. Er stimmte einem Gespräch über die Welt der Asylbürokratie nur unter der Bedingung zu, anonym bleiben zu können. Das Innenministerium erlaubt den Asylbeamten nämlich keine Gespräche mit Medien.

Falter: Die Bundesasylämter stehen unter massiver Kritik. Sie würden langsam und schlampig arbeiten. Vierzig Prozent der Bescheide werden in der nächsten Instanz gekippt. Was läuft schief?

Hans M.: Zunächst müssen wir in die Vergangenheit blicken. Die Bescheide, die heute aufgehoben werden, stammen aus einer


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