Lanzmanntag

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 42/07 vom 17.10.2007

FILM Der Dokumentarfilmer Claude Lanzmann war in Wien: In einem Marathon wurde Material aus einem Interview mit dem der Kollaboration bezichtigten Juden Benjamin Murmelstein gezeigt. "Das ist ein echtes Problem jeder Geschichtsphilosophie: Wie ist es möglich, dass man aus der Rückschau immer meint, es hätte nicht anders passieren können?"

Hannah Arendt

Filmrolle 76. Claude Lanzmann und Benjamin Murmelstein sitzen auf der Terrasse eines Hotels in Rom. Es ist Sommer 1975, der letzte Interviewtag, an dem der französische Filmemacher den seit bald dreißig Jahren im römischen Exil lebenden einstigen Mitarbeiter der Israelitischen Kultusgemeinde Wien befragt. Beide haben sich heute in Schale geworfen. Lanzmann, sonst nur im Hemd mit offenem Kragen unterwegs, trägt Sakko und Krawatte; Murmelstein einen Anzug mit dunkler Weste. "Passen Sie auf", scherzt er, "damit man es nicht verwechselt mit einem Film über Frankenstein!"

Eine gelungene Pointe, mit der es freilich eine tiefere Bewandtnis


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