Zeit für den Kollaps

Gerhard Stöger | Kultur | aus FALTER 42/07 vom 17.10.2007

MUSIK Die Einstürzenden Neubauten haben ein sehr gutes neues Album aufgenommen. Ihr Sänger Blixa Bargeld über Musik als Problemlösung, die sterbende Tonträgerindustrie und das Hochkultur-Missverständnis.

Blixa Bargeld ist jegliche Kumpelhaftigkeit fremd. Auf größtmögliche Distanz bedacht, hält der 1959 als Christian Emmerich geborene Berliner im Gespräch konsequent an seiner in den Achtzigern kultivierten Rolle als unnahbarer Ruinenpoet fest. Die einst so giftige Bösartigkeit aber ist einer Altersgelassenheit gewichen. Dass sich Bargeld, der mit seiner Frau seit acht Jahren in Peking lebt, dennoch wieder einer umfangreichen Interviewtour unterzieht, hat einen guten Grund: Mit der post-apokalyptischen, ja streckenweise geradezu zärtlichen Experimentalpop-Schönheit "Alles wieder offen" liegt das beste Einstürzende-Neubauten-Album seit vielen Jahren vor; als Businessrebellen bringen sie es erstmals in ihrer 28-jährigen Geschichte gänzlich im Do-it-yourself-Verfahren heraus.

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