Stadtrand

Local Warming

Stadtleben | aus FALTER 42/07 vom 17.10.2007

Will hier jemand den Winter nicht wahrhaben? Fast wirkt es so, denn vermehrt versuchen Lokalbetreiber, die kalte Jahreszeit mit Heizkanonen zu vertreiben - und die Gäste zum Verweilen auf vereistem Schanigartenmobiliar zu animieren. Vor den schicken Szenehütten am Naschmarkt strahlen seit heuer Wärmelampen und machen die Ausgehmeile zum Rotlichtviertel. Wieso soll, was sich in der Aufzucht von Federvieh und Ferkeln bewährt hat, nicht auch beim urbanen Flaneur funktionieren? Wahrscheinlich stattet man demnächst Gastgärten nicht nur mit Heizungen aus, sondern macht sie auch noch mit Plastikfolie winterwindfest. Der Spezial-Treibhauseffekt "local warming" kostet ja nichts, außer vielleicht ein bisschen Energie. Lokales Verkühlen heißt übrigens die Gegenbewegung, die sich vergangenes Wochenende beim "winter opening" vorm Rathaus zeigte. Dort errichtete die Tourismusregion "Salzburgerland" ein schneebedecktes Rodelhügelchen und eröffnete so die Saison. Wie dort Mitte Oktober schon Schnee fiel? Man schoss kurzerhand mit Schneekanonen. Ist doch normal, im Winter. C. W.


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