Fragen Sie Frau Andrea

Die kahlen Berge

Stadtleben | aus FALTER 42/07 vom 17.10.2007

Liebe Frau Andrea,

ein sonntäglicher Zeitvertreib meiner kleinen Tochter und mir ist das Fahren mit dem Finger auf der Landkarte. Neunmalklug, wie mein Nachwuchs ist, löchert sie mich mit der berechtigten Frage, warum das Kahlenbergerdorf (zwischen Nußdorf und Klosterneuburg am Donauufer gelegen) am Fuße des Leopoldsberges liegt und nicht am Nachbarkogel, dem Kahlenberg. Sicher wissen Sie Bergesrat! Liebe Grüße aus der flachen Leopoldstadt,

Sara und Andrea Rudiferia

Liebe Sara, liebe Andrea,

mit den letzten Seufzern, die die Alpen machen, bis sie unter der Donau verschwinden, ist das so eine Sache. Die Berge am Kulissenrand von Wien sehen zwar seit prähistorischen Zeiten so aus wie heute, haben aber ihre Namen im wahrsten Sinne des Wortes oft gewechselt. Die runde Bergkuppe, die wir heute als Leopoldsberg kennen, hieß ursprünglich Kahlenberg. 1693 ließ Kaiser Leopold die Kapelle am Berg - vorher stand hier eine Babenbergerburg und noch früher eine keltische Arx - dem heiligen Leopold weihen, woraufhin der Berg den Namen Leopoldsberg erhielt. Der benachbarte Sauberg wurde darauf in Kahlenberg umbenannt. Diesen Berg erkennt man am blitzgeschüttelten Fernsehmast des Senders Kahlenberg. Der ursprüngliche Kahlenberg war aus Verteidigungsgründen um die Burg herum abgeholzt, woraus sich die Bezeichnung "kahler Berg" abgeleitet haben soll. Die keltische Bezeichnung des Burgbergs dürfte aus denselben Gründen Uindo-Bona, Weißer Berg, gelautet haben. Nach diesem Uindo-Bona hießen auch Zivilsiedlung und Römerlager am Donauübergang, das legendäre Vindobona, die Keimzelle Wiens.


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