Standpunkt

Zweimal gestraft

Politik | aus FALTER 43/07 vom 24.10.2007

Ausländerinnen haben es am österreichischen Arbeitsmarkt doppelt schwer: als Frau und als Migrantin. So rutschen sie schnell in Arbeitslosigkeit und Armut ab, sie suchen öfter Hilfe in Gewaltschutzzentren als Österreicherinnen - na, wer hätte das gedacht? Die Erkenntnisse des neuen Migrantinnenberichts von Frauenministerin Doris Bures sind wirklich nicht taufrisch. Aber immerhin, die SPÖ-Politikerin beschäftigt sich mit den Problemen von Zuwanderinnen und lässt zumindest diverse Fakten sammeln. Jetzt stellt sich nur die Frage, ob nach der Analyse auch Verbesserungen für die Frauen herausschauen. So wäre zum Beispiel der eigene Aufenthaltstitel für Ehefrauen eine echte Hilfe für Zuwanderinnen. Damit wären sie nicht mehr rechtlich vom Mann abhängig, müssten sich häusliche Gewalt nicht gefallen lassen und dürften selbst arbeiten gehen. Den Mädchen, die immer wieder von Zwangsheiraten bedroht sind, könnte man im Ernstfall mit mehr Notunterkünften helfen - und mit intensiver Aufklärungsarbeit in den Schulen vermeiden, dass die jungen Frauen überhaupt erst Opfer des patriarchalischen Systems werden. Aber auch die österreichische Gesellschaft muss ihre Ressentiments gegenüber Migrantinnen in den Griff kriegen. Sonst darf man sich nicht scheinheilig aufregen, dass eine Frau mit Kopftuch, die damit keinen Job bekommt, daheim vielleicht weiterhin unterdrückt wird. J. O.


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