"Lieber Herr Hofrat!"

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 43/07 vom 24.10.2007

AFFÄRE Ermittlungsakten des Innenministeriums im Fall Horngacher zeigen, wie Ankläger, Rathauspolitiker, Journalisten und Banker für private Sorgen die Gunst der Polizei suchten - und mitunter auch bekamen.

Was tun, wenn ein Strafmandat im Briefkasten liegt? Der normale Bürger würde seinen Einspruch per Post an die Polizei schicken. Otto Schneider, der Leiter der Staatsanwaltschaft Wien, kennt einen Abschneider. Vergangenes Jahr übersah der oberste Ankläger eine Stopptafel in der Dominikanerbastei. Siebzig Euro. Hofrat Schneider meinte, der "Meldungsleger" habe den Vorfall wohl "falsch interpretiert". Er schrieb einen Einspruch, heftete seine Staatsanwalts-Visitenkarte daran, steckte alles in ein Kuvert mit dem Absender "Leiter der Staatsanwaltschaft Wien" - und schrieb mit der Hand "Hofrat Mag. Horngacher, persönlich" darauf (siehe Faksimile).

Roland Horngacher war zu jener Zeit der mächtigste Polizist der Stadt. Er stand wegen unerlaubter Interventionen bereits im Visier der Behörde.


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