Schrei nach Zärtlichkeit

Kultur | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 43/07 vom 24.10.2007

Rezension Katja Lange-Müller beschreibt in "Böse Schafe" in perfekter, aber auch anstrengender Rollenprosa die überaus einseitige Liebe einer Frau zu einem Junkie.

Ich war dabei, mich aufzugeben, bis ich dein Heft las und entdeckte, dass ich ja mit dir reden, dir sogar schreiben kann." Die hier spricht, heißt Soja, und der Angesprochene, Harry, ist seit beinahe zehn Jahren tot. Was kann eine solche Rede bewirken, ein Monolog, dem das Gegenüber fehlt, weggestorben ist oder vielleicht gar nie existiert hat? Soja gibt ihr Motiv am Ende des Romans preis. Es geht um einen Film, den sie "unseren Film" nennt und den sie vor ihrem inneren Auge abspielen lassen kann, wieder und wieder: "Wir liegen auf den Matratzen, Kopf an Kopf, bewegen uns kaum, atmen flach. Deine Augen sind geschlossen, meine schauen hoch zum offenen Fenster ... Wir haben einander und Zeit; nichts sonst, doch davon ganz viel, obwohl es scheint, als existiere sie gar nicht mehr."

Soja ist 39 Jahre alt, als sie Harry kennen


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