Buch der Stunde

Sternstunde

Kultur | Erich Klein | aus FALTER 43/07 vom 24.10.2007

Es hätte das Jahrhundert der Deutschen werden können, meinte der französische Politologe Raymond Aaron einmal. Für den 1926 im heute polnischen Breslau als Sohn einer assimilierten jüdischen Ärztefamilie geborenen Fritz Stern wurde es das: Sein ganzes intellektuelles Leben wird er, dessen Familie 1938 aus Nazideutschland emigriert, Deutschland widmen. Antisemitische Sticheleien in der Schule, Angst, Freiheit und ein privilegierter Zugang zu den Eliten prägen Sterns Jugend: Der Taufpate und ein Onkel sind Nobelpreisträger, die Mutter findet als Montessori-Pädagogin Einsteins Zustimmung, der Vater behandelt den späteren israelischen Präsidenten Chaim Weizmann. Als der überzeugte Amerikaner Stern 1950 erstmals nach Deutschland zurückkehrt, verschweigt er sich weder den eigenen Hass auf die einstige Heimat noch den Umstand, dass "die Unmenschlichkeit der Nazis auch die Feinde angesteckt hat".

1965 erscheint Sterns Buch "Kulturpessimismus als politische Gefahr" (1965), 1972 folgt


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