Herr der Hausnummern

Michael Ziegelwagner | Stadtleben | aus FALTER 43/07 vom 24.10.2007

GESCHICHTE Anton Tantner befasst sich mit der Durchnummerierung der Stadt.

Entfamilialisierung" ist kein Wort, das Normalsterblichen leicht von den Lippen geht. Anton Tantner, Historiker, 37, versteht darunter das Phänomen, Alltagsdinge, die einem bereits viel zu vertraut geworden sind, um noch wahrgenommen zu werden, dem Blick zu entfremden und dadurch wieder sichtbar zu machen.

Zu den Dingen, die dringend entfamilialisiert gehören, zählen für Tantner Adressen. Also Straßennamen, Hausnummern und Postleitzahlen. Wer sich schon einmal gefragt hat, warum an manchen Häusern zwei oder mehr verschiedene Zahlen angebracht sind, dem könnte Tantner Nachhilfe geben.

Im Anfang war der Straßenname. 1701 erhielten Wiens Haushalte von ihrem Briefträger Johann Jordan ein Büchlein mit dem Titel "Schatz Schutz und Schantz Deß Ertz-Hertzogthumbs Oesterreich", Untertitel: "Eine sehr genaue und ordentliche Beschreibung aller Gassen Plätz Palläst Häuser und Kirchen der berühmten Haubt- und Kayserl.

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