Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 44/07 vom 31.10.2007

Der Zustand der ÖVP veranlasste den Soziologen Reinhold Knoll zu einer Satire, die ihn auch in das damalige Hauptquartier der Volkspartei führte. Der Falter brachte den Text als Titelgeschichte. "Es kann erwartet werden, dass die, großformatige' Tageszeitung des Kleinstaates ein Inserat der Industriellenvereinigung einrücken lässt, in dem die Stelle eines Attentäters ausgeschrieben wird. Über Dauer und Aufgaben des Angestelltenverhältnisses wird noch zu beraten sein.

Dem Professor der Industriellenvereinigung ist es sicher nicht entgangen, dass nicht nur die Schlappherzigkeit von Alois M. das Schicksal der Volkspartei besiegelt. Immerhin nährt das grotesk-komische Auftreten von, Schwarzen' die Erkenntnis, die Volkspartei gehe durch das körperwarme Bad obszöner Lächerlichkeiten (…)

Wäre zurzeit nicht der Bundeskanzler Franz V., so gäbe es niemanden, der sich über die Volkspartei den Kopf zerbricht. Er sollte eigentlich den Parteivorsitz beider Koalitionsparteien anstreben. Immer öfter muss er nämlich auch für Männer Partei ergreifen, die nicht seiner Partei angehören und dennoch höchste Staatsstellen innehaben: Bundespräsident, Außenminister, Armeeminister etc. (…)

Gerade die ambitionierte Dummheit katapultiert die Volkspartei in nahezu allen Bereichen aus der Politik heraus. Ginge es hingegen nach den Aufschriften in den Herrentoiletten der Kärntner Straße (damalige VP-Zentrale, Anm. d. Red) und anderen Quartieren in den Landeshauptstädten, könnte man noch die Imperative und Hoffnungen der Partei lesen, die die Parteiführer nicht mehr besitzen. Offenbar hat das Geschäft der Blasenerleichterung und des Besprengungsrituals noch Reste von Erneuerungskräften mobilisiert -, Jetzt Erhard B.',, Simon W. for President',, Michi sucht Anschluss' -, in denen Bedürfnis und Gedankenfreiheit ineinanderfließen.'" A. T.


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