Standpunkt

Demokratisch gekillt

Politik | aus FALTER 44/07 vom 31.10.2007

Den Schulwart haben sie vergessen. Der braucht laut ÖVP-Vorschlag nicht darüber abzustimmen, ob er künftig in einem Gesamtschulprojekt die Heizung am Laufen halten muss. Dafür will die ÖVP, dass zwei Drittel aller Lehrer, Schüler und Eltern zustimmen müssen, bevor auch nur der Versuch einer Gesamtschule starten darf. Das klingt auf den ersten Blick sehr nett, weil für die ÖVP ungewohnt basisdemokratisch. Andererseits könnte man auch sagen, dass dieser Demokratievorstoß der Konservativen nur dazu dient, die zarten Knöspchen einer Gesamtschulidee in Österreich mit einem Schlag zu killen. Die AHS-Lehrer steigen gegen eine gemeinsame Mittelschule aller 10-bis 14-Jährigen ohnehin auf die Barrikaden, weil sie sich nicht auf die Ebene der Hauptschullehrer, die noch dazu weniger verdienen, degradieren lassen wollen. Und wie werden verunsicherte Eltern, die ihre Informationen vor allem von den Lehrern ihrer Kinder beziehen, wohl abstimmen? Dass ihre natürlich höchstbegabten Kinder, die es aufs Gymnasium geschafft haben, künftig mit den vermeintlichen "Dodln" aus der Hauptschule das Klassenzimmer teilen sollen? Sicher nicht. Also wird es dabei bleiben, dass die meisten Arbeiter- und Migrantenkinder in der Hauptschule landen und der Akademikerspross maturiert. Bis zum nächsten Pisa-Debakel. Und das kommt bestimmt. N. H.


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