Hirn tot, Herz warm

Politik | Kurt Langbein | aus FALTER 44/07 vom 31.10.2007

ETHIK Tote Mütter gebären Kinder, Hirntote haben noch Erektionen und bewegen ihre Finger. Vierzig Jahre nach der ersten Herztransplantation steht die medizinische Ethik Kopf. Wann sind wir wirklich tot?

Tot ist der Mensch selten so abrupt wie ein Licht, das ausgeknipst wird. Eher versiegt das Leben allmählich. Die Leber mag zugrundegehen, doch das Herz pumpt erst einmal weiter. Ein Blutgerinnsel zerstört große Teile des Gehirns, doch die Atmung versiegt noch nicht. Und wenn alle Organe ihr Tun einstellen, leben noch immer die Zellen - zumindest für einige Minuten. Nach einer halben bis einer Stunde verursacht das Absinken des Blutes die markanten Totenflecken, nach vier bis zwölf Stunden setzt die Totenstarre ein.

Wann ein Mensch tot ist, hat stets die Medizinerzunft bestimmt. Die Antwort darauf fiel lange Zeit recht eindeutig aus. "Solange das Blut umläuft, so lange lebt der Mensch." Und das Blut, schrieb der englische Philosoph Thomas Hobbes um 1620, läuft so lange um, "solange

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