Kein bisschen gaga


Matthias Dusini
Kultur | aus FALTER 44/07 vom 31.10.2007

KUNST Wie gut war der alte Tizian? Zwei Ausstellungen im Kunsthistorischen Museum und in Belluno widmen sich dem Spätwerk des Hauptvertreters venezianischer Renaissancemalerei. Ein Vergleich.

Beethovens späte Streichquartette, Claude Monets "Seerosenbilder" oder neue Platten von Bob Dylan: Kritiker müssen sich immer wieder mit der Tatsache auseinandersetzen, dass Künstler genauso ungern in Pension gehen wie die Mitglieder des sowjetischen Zentralkomitees. Sind sie, schwerhörig, zittrig und nicht mehr allzu helle, nur noch Epigonen ihrer selbst? Zwei Ausstellungen wollen nun den Nachweis erbringen, dass der hochbetagte Maler Tiziano Vecellio (um 1490 bis 1576) aus dem Dolomitendorf Pieve di Cadore, vom Wettbewerbsdruck junger Jahre entlastet, Werke von hohem formalem Anspruch schuf, die sich gar als Manifeste seiner Kunstauffassung deuten lassen.

Anders als die Florentiner Maler seiner Zeit, die in der Zeichnung die an antiken Vorbildern geschulte Grundlage aller Bildwerke sahen, vertraute

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