Stadtrand

Das graue Haus

Stadtleben | aus FALTER 44/07 vom 31.10.2007

Ehrlich: Wer findet das Hundertwasserhaus toll? Oder wer kennt jemanden, der das Gebäude des Nichtarchitekten Friedensreich Hunderwasser toll findet? Eben. Trotzdem pilgern die Touristen scharenweise in die Wiener Kegelgasse, um sich den Gemeindebauirrsinn aus den Achtzigerjahren zu geben. Natürlich ist es billig, übers Hunderwasserhaus zu schimpfen. Fast so billig, wie über das unebene Pflaster davor zu stolpern. Was viele aber nicht wissen (weil keiner freiwillig nachsieht?): Das Hundertwasserhaus ist grau und schmuddelig geworden. Es wirkt so, als müsste es dringend saniert werden. Eine der größten, aber fragwürdigsten Touristenattraktionen der Stadt sandelt vor sich hin. Und trotzdem geht der Rummel rund um das graue Haus von der Landstraße weiter. Er bringt öffentliche und private Toiletten, Würstelstände und ein grotesk anmutendes Andenken-Center mit sich - alles im Zeichen Hundertwassers. Wer genehmigt so was? Wo bleiben Stadtplanung, Wiener Wohnen und Denkmalschutz? So ein Dauerkirtag wäre bei Schönbrunn undenkbar. So eine Vergammelung aber auch. C. W.


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