Fragen Sie Frau Andrea

Hotzenplotz

Stadtleben | aus FALTER 44/07 vom 31.10.2007

Liebe Frau Andrea,

kennen Sie das? Wenn Ihnen ein Wort nicht und nicht aus dem Sinn gehen will? Keine Ahnung, wie das Wort in meinen Kopf kam, aber es kreiste in mir herum wie auf einer unsichtbaren Hochschaubahn. Hotzenplotz, Hotzenplotz, Hotzenplotz. So hieß ein Räuber in einem Kinderbuch. Einen Film gibt es auch. Ist das am Ende der Name eines historischen Räubers? Mir kommt das so vor. Bitte um Hilfe,

Ihre hotzenplötzliche Nina Mayr

Liebe Nina,

Hotzenplotz ist tatsächlich ein real existierender Name. Aber anders als im Falle des legendären Waldviertler Banditen Johann Georg Grasel ist der schmerbäuchige Räuberhauptmann Hotzenplotz eine literarische Erfindung. Nicht jedoch sein Name. Den kannte der sudetendeutsche Kinderbuchautor Otfried Preußler seit der Schulzeit aus dem mährischen Teil Schlesiens. Hotzenplotz (tschechisch Osoblaha, jiddisch Hotz'plotz, polnisch Osoboga) ist kein Kasperlgauner, sondern eine Stadt im Okres (Bezirk) Bruntál in Tschechien. Hotzenplotz-Osoblaha geht zurück auf die vorslawische Besiedlung des Gebiets an der Ossa, einem kleinen Fluss, der im Altvatergebirge entspringt. Das Mährische verwendete für die Ansiedlung Begriffe wie Osobloga, Osoblaga oder Osoblaka. Die deutsche Bezeichnung leitet sich vom keltischen Volksstamm der Ossen oder Hozzen ab, die an der Ossa siedelten und weder als räuberisch noch kinderbuchaffin in Erscheinung getreten sind. Preußlers Hotzenplotz-Bände wurden in 33 Sprachen übersetzt und über sechs Millionen Mal verkauft. In Frankreich als "Brigand Briquambroque", in Italien als "Brigante Pennastorta" und im Türkischen als "Haydut Haytazot". Potzblitz!


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige