Phettbergs Predigtdienst

SOS Mondalarm

Stadtleben | aus FALTER 44/07 vom 31.10.2007

Plötzlich entdeckte ich diese Woche, dass alle meine Dokumente von 2006 weg sind. Wie meine Oma hab ich sie jedes Jahr in einen Plastiksack gestopft: eingetroffene Poststücke, teilweise ungeöffnet, alle Kontoauszüge und Zahlungsbelege, alles weg! Aber aus jedem negativen Erlebnis ist eine Idee zu schöpfen! So kam ich auf die vom Mond. Ich will nämlich partout einen Spielfilm über die "Rettung des Mondes" sehen. Ein großer Komet hätte auf dem Mond eingeschlagen, was ihn von der Erde abspaltet. Aber das geht nicht, denn wenn der Mond abgetrennt würde, würde er vielleicht wieder auf die Erde zurückplumpsen. Weil eben diese Woche mein Jahressack 06 verloren ist, dachte ich mir, vielleicht soll jedes Jahr eine Grube in den Mond kommen, und darüber die Jahreszahl des verblichenen Jahres. Wenn der Mond immer leichter werden würde, wird er sich entfernen von uns. Aber wenn wir andererseits etwas auf den Mond schössen, würde die Summe der Masse der Erde reduziert werden und vielleicht die Massenvermehrung des Mondes nicht ins Gewicht fallen. Es ist schon eine Plage, jede Woche, diesen Phettbergmist zu lesen. Früher, als ich noch im Mist erstickte, hatte ich die Idee, alle zehn Jahre eine neue Wohnung zu nehmen und die alte Wohnung trotzdem weiterzumieten, zuzumauern und draufzuschreiben: "Phettbergzeuge 1981 bis 1990". Zum Beispiel. Aber das wurde mir alles zu viel. Jetzt kommt mein alter Spruch, dass alle Kinder ja eine Mutter hatten, und wenn die Forschung, vor sich hergepeitscht von der Industrie, endlich eine Computermaschine erfände, wo die jeweiligen Mütter wie aus einem Zigarettenautomat herausplumpsen dann und erstaunt sagen: "I bin's dei Mama" - womit die ganze Menschheit wie von einer Gottheit rekonstruiert wäre und dann mit Lichtgeschwindigkeit auf einen anderen Planeten reisen könnte. Alle ritten wir als kleine Laserteilchen in einem Tunnel, wie bei "Raumschiff Enterprise" würden wir auf dem Planeten rausplumpsen. Nur so hätten wir Aussicht auf eine Fortsetzung der Ichkontinuität. Um dich in ein Grab zu betten, brauchst du ja komisches Hoffen!

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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