Standpunkt

Im Unruhestand

Politik | aus FALTER 45/07 vom 07.11.2007

Nein, sagt Polizeipräsident Peter Stiedl, sein am vergangenen Montag verkündeter Abgang in die Pension habe nichts mit der Affäre rund um den Verein der Freunde der Wiener Polizei zu tun. Das möchte man gerne glauben. Doch dass ein Wiener Polizeichef so kurz vor der Fußball-EM in die Rente wechselt, ist schon ungewöhnlich. Ein möglicher Hintergrund des schnellen Abgangs: Zurzeit durchforstet das Büro für Interne Angelegenheiten (BIA) die Buchhaltung der Polizeifreunde. Dem Vernehmen nach sind die Fahnder auch schon fündig geworden. Vor allem einer der engsten persönlichen Mitarbeiter Stiedls sei stundenlang verhört worden. Wie aus Polizeikreisen zu erfahren ist, wirft man ihm vor, gegen Geld Berufungen für Prominente verfasst zu haben. Auch Stiedl selbst steht im Visier des BIA. Wer hat all die Reisen bezahlt, die der Polizeipräsident mit seinem Freund Adolf Krchov, dem Kassier des Polizeivereins, unternahm? Waren die Reisen nach Neuseeland, China und Florida wirklich "privat", wie beide betonen? Peter Stiedl war ja jener Polizeipräsident, in dessen Vorzimmer Adolf Krchov jahrelang als Vereinskassier Gutscheine für kleine Dienste entgegennehmen durfte. Entweder hatte Stiedl all das nicht bemerkt - oder er hat es zumindest geduldet. Klar ist, dass er für die Sitten in der Wiener Polizei Verantwortung trägt. Die nimmt er nun wahr: durch die Flucht in den Ruhestand. F. K.


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