Phettbergs Predigtdienst

Sehnsucht nach Physischem

Stadtleben | aus FALTER 45/07 vom 07.11.2007

Wohin ich in meiner Gier nach Kontakten und Menschen in meiner gottlosen und mutterseelenalleinen Einsamkeit auch vordringe, ich entdecke immer nur Metamorphosen der Werbung und Geldgier. Jetzt bin ich endlich auch einen Nachmittag lang auf der Homepage www.rainbow.at gewesen. Und da entdecke ich folgendes Szenario: Ich - schwul und maso - suchte einen "Sir". Und wie ein Wunder ereignete sich ein paar Stunden später Folgendes: 23 Hin- und Hermails. Ich erlebe mein absolutes Hoffen. Es dauert aber nur einen Nachmittag, und dann wieder meine Einsamkeit. Denn es meldete sich niemand mehr. Keiner dieser Schwüre aus diesen quasi drei Maildialogen wurde physisch! Warum nur trat dieses Gespenst in mein Leben? Dass immer alles vor mir davonstiebt? Schon 1965 beim Ortsrauchfangkehrer von Unternalb: Der hatte mich zwar wechselseitig gewichst, aber als ich ihn schüchtern bat, mir doch den Arsch auch auszuhauen, tat er es nicht! Es war im Frühling, und mit diesem Unternalber finde ich niemanden, der mich physisch züchtigt! Weiter circa 1985, als ich intensiv Inserate aufgab: Ich schrieb auch immer voll meinen Namen "Hermes" hin. Und endlich rief wer an. Er würde von mir wünschen, dass ich dann und dann an einer bestimmten Tür läuten solle! Mühsam suchte ich die mir vollkommen unbekannte Straße heraus. Klopfenden Herzens fuhr ich mit der Straßenbahn in den 23. Bezirk, also ganz weit weg vom 6. Bezirk, wo ich seit 25 Jahren wohne. Circa eine halbe Stunde vor der befohlenen Zeit war ich an der Tür. Es war ein Haus mit unglaublich vielen Stiegen und Nummern, aber damit nicht genug: Stand dort an der Klingel doch "Fenz". Der Name "Fenz" ist natürlich mein gebürtiger, also mein eigentlicher Name! Und ich wartete brav, bis die befohlene Sekunde eintrat, und läutete brav erst dann. Etliche Male läutete und läutete ich Einsamling. Aber es reagierte niemand. Obwohl ich ins Inserat nur meinen Namen Hermes hinschrieb. Es muss also ein gespenstischer Insider gewesen sein. Der also ebenfalls "Fenz" hieß! Und tatsächlich weiß ich von keinem "Fenz", der in Wien wohnen würde! So ein Gespenst hab ich jetzt, vorige Woche, wiedergetroffen!

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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