hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 46/07 vom 14.11.2007

Das Leben ist keine Mitternachtseinlage!

Neben dem Fasching, der eigentlich niemanden interessiert, haben auch der Wahlkampf und die Maturaballsaison angefangen. Es ist nicht immer leicht, das eine vom anderen zu unterscheiden. Das hat Graz mit Hamburg gemeinsam, wo Gottlieb Wendehals um das Amt des Bürgermeisters kandidiert. Obwohl Maturabälle im norddeutschen Raum gänzlich ungebräuchlich sind, hat er es geschafft, den Weltrekord in Polonaisetanzen aufzustellen: Die Alster entlang haben 1982 immerhin 250.000 Menschen eine wie immer etwas dämlich aussehende Schlange gebildet. Auf hier umgelegt, wären das knapp über hundert Prozent der gesamten Stadtbevölkerung. Die Verschmutzung durch Plastikbecher, Zigarettenstummel und Alkleichen wäre verheerend, man kennt das von Faschingsumzügen. Da bräuchte man eine bunte Truppe, die die Ärmel hochkrempelt, um Graz wieder zu säubern! Leute, die nicht zögern, ihre Maria-Lankowitz-Open-Golfturnier-erprobten Hände tief in die Ausscheidungen ihrer Stadt zu stecken, exzessiv in der Scheiße zu wühlen, bis das Wahre, Schöne und Gute wieder hervortritt. Das Problem mit dem Wahren, Guten und Schönen ist natürlich, dass es spätestens, wenn man dann am übernächsten Tag aufwacht, die Brösel vom Sektfrühstück noch auf der Krawatte, gar nicht mehr so schön und gut, sondern nur noch wahr ist. Es kann sogar sein, dass es der eigene Mathematiklehrer ist.


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