Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 46/07 vom 14.11.2007

Diese Bilder mussten wieder einmal gedruckt werden. Der Ethnologe Alfred Janata brachte sie im Rahmen einer kleinen österreichischen Kolonialgeschichte, die er mit der Geschichte des Völkerkundemuseums verknüpfte. Die Habsburgermonarchie war kein Kolonialreich, hatte aber doch eine einigermaßen bizarre Kolonialgeschichte (abgesehen vom Reich Karls V., in dem bekanntlich die Sonne nicht unterging). Österreichs diesbezügliche Bescheidenheit hatte Gründe. "Als Karl VI. sich um die Zustimmung zur pragmatischen Sanktion (welche die Thronfolge seiner Tochter Maria Theresia erlaubte) bemühte, verlangten England und Holland für ihr Einverständnis den Verzicht Österreichs auf überseeische Handelskompagnien" - worauf die Schiffe der Handelskompagnie an Venedig verkauft wurden. Das war 1731.

Später ergab sich doch ein koloniales Abenteuer: "Am 1. April 1778 landete das österreichische Schiff, Joseph und Maria Theresia' auf Kar Nikobar, um im Namen sr. Majestät des Kaisers Joseph II. neue Pflanzorte und Handelsplätze anzulegen. Nach mehreren Wochen, kaufte' der englische Kapitän Bennett von den Einwohnern die vier mittleren Inseln und nahm sie im Namen Österreichs in Besitz." Die Österreicher ließen als Besatzung einen Mann samt fünf Soldaten zurück. "Er starb 1783 und mit ihm die erste und einzige österreichische Kolonie." Sie trug auch nicht zu den Sammlungen des Völkerkundemuseums bei. Die kamen anders zustande, durch Heirat, Raub, Kauf etc. Erzherzog Franz Ferdinand, ein fanatischer Jäger, unternahm 1893 eine Weltreise, auf der er 6000 Gegenstände erwarb und Hunderte Tiere abknallte. A. T.


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