Sprechende Wände

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 46/07 vom 14.11.2007

KUNST Ursula Mayer, Andreas Fogarasi und Markus Schinwald haben einiges gemeinsam: Sie sind in ihren Dreißigern, wurden gerade mit Preisen bedacht und befassen sich mit der filmischen Inszenierung von Räumen. Der Raum sieht aus wie der leere Brustkorb eines gigantischen Tieres. Seine kuppelförmige Decke bildet Rippen aus und legt sich in Falten. Immer wieder verharrt die Kamera in Markus Schinwalds Film "Ten in Love" in den Schattentälern dieser organischen Formen. Was wie die Kulisse eines Science-Fiction-Films erscheint, stellt in Wahrheit ein Stück österreichischer Architekturgeschichte dar: Als Schauplatz seiner neuesten Filmarbeit hat der Wiener Künstler einen Saal der Schulschwestern Eggenberg gewählt, der Anfang der Siebzigerjahre von Günther Domenig und Eilfried Huth gebaut wurde. Bei Schinwald mutiert die wenig bekannte Pionierleistung biomorpher Baukunst zu einem höchst unheimlichen Gelände, in dem die Grenzen zwischen belebter und toter Materie zu fließen beginnen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige