Stadtrand

Stuwer-Kiez

Stadtleben | aus FALTER 46/07 vom 14.11.2007

Es ist immer wieder schön, in der zweitgrößten Stadt des deutschen Sprach-raums Parallelen zur größten Stadt desselben zu entdecken. Das gibt einem dann das Gefühl, dass sich hinter dem aufgebrezelten Wiener Ringstraßentum auch ein bisschen was vom so sympathischen Berliner Grätzl-(Kiez-)Charme verbirgt, den man in Wien oft mit der Lupe suchen muss. Also: Das Stuwerviertel erinnert frappant an den Berliner Stadtteil Neukölln. Die Baumreihen zwischen Gehsteigen und Straßen (sehr unwienerisch), deren gelbrote Blätter im Herbst das ganze Viertel zuschütten. Die quer statt parallel zur Gehsteigkante stehenden Autos (eher unwienerisch). Die schmucklosen Arbeiterzinshausfassaden. Die fremdsprachigen Schilder vor Geschäften und Restaurants. All das ist so neuköllnerisch! Wäre da nicht ein Haus in der Stuwerstraße, inmitten all der Blätter und bröckelnden Fassaden: Ein Genossenschaftswohnblock der Stadt Wien offenbar, typische Kommunalarchitektur der Neunzigerjahre. Ein schmerzhafter Riss in der Einheitlichkeit des ganzen Viertels. Plötzlich ist man wieder in Wien. In Neukölln würd's so etwas nicht geben. J. G.


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